Die Festungsanlage von Ibiza

Die Mauern um die Altstadt sind imposant. Die UNESCO sieht in der Stadtbefestigung ein Musterbeispiel, einerseits in Bezug auf die Erfüllung von militärischen Anforderungen, andererseits aber auch in Hinblick auf die Architektur der Renaissance.

Die Länge der Stadtmauer beträgt rund 2 km, wenn man alle Vorsprünge mitzählt. Lässt man Vorsprünge unberücksichtigt, kommt auf 1 ½ km. Die Mauer ist bis zu 20 Meter hoch, zudem wird ihre militärische als auch optische Wirkung durch die Lage auf dem Berg verstärkt.

Weiterhin gehören zu der Festungsanlage sieben Bastionen. Betreten und Verlassen werden kann das Innere durch fünf Eingänge. Das Portal de ses Taules ist das Hauptportal.

Bau und Errichtung – Philippe II lässt Festung im 16. Jahrhundert ausbauen

Die heutige Stadtbefestigung wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Es gab schon mittelalterliche Vorgängerbauten. Allerdings waren diese nicht geeignet, um eine Verteidigung gegen die damals neuen Kanonen zu gewährleisten.Dazu kam, dass König Philippe II. zu dieser Zeit dabei war, Spanien zum glanzvollen Höhepunkt als Weltmacht zu führen. Dazu gehörte ein Programm zur Errichtung und Sanierung von Festungen.

Mit dem Bau der Mauer wurde 1555 begonnen. Die Verantwortung hatte der italienische Baumeister Giovanni Battista Calvi. Als dieser 1565 verstarb, wurde Jacobo Paleazzo Fratin mit der Vollendung beauftragt. Im Jahre 1585 konnte die Mauer schließlich fertiggestellt werden.

Militärische Funktionsweise – Strenge mathematische Prinzipien

Die Form der Festung folgt strengen geometrischen Prinzipien. Statt wie früher Burgtürme mit kleinen Schießscharten anzulegen, wurden Bastionen gebaut, auf Katalanisch Baluard bzw. Baluarte auf Spanisch. Bastionen sind fünfeckige Vorsprünge, die aus der Mauer hervorragen. Die gesamte Festung hat die Form eines Siebenecks, die Mauerabschnitte zwischen den Bastionen sind gerade.

Auf den Bastionen stehen Kanonen. Da die Bastionen vorspringen, kann feindliche Artillerie von (fast) keiner entfernten Stelle Teile der Mauer beschießen, ohne in der Reichweite gleichstarker Kanonen auf der Bastion zu stehen. Die Bastionen selbst haben eine spitze Vorderseite und bieten somit keine Fläche für einen Frontalangriff.

Befinden sich die Angreifer schon unmittelbar vor der Mauer, können sie von den beiden den Abschnitt flankierenden Bastionen beschossen werden, im Gegensatz zu anderen Bauformen gibt es keinen toten Winkel.

Die Bedeutung der Festungsanlage von Ibiza – Vorbild für andere und mustergültig erhalten

Die Anlage auf Ibiza war eine sehr frühe des neuen Typs. Sie diente als Vorbild für viele Anlagen im spanischen Herrschaftsbereich, auch in Südamerika. Zudem ist die Festung von Ibiza mithin die am besten erhaltene.

Die Festung heute – Perfekte Aussichtspunkte und museale Nutzung

Auf dem Wehrgang der Mauer kann die Stadt umrundet werden. Heute sind die Bastionen hervorragende Aussichtspunkte. Die Baluard de Santa Llúcia und die Baluard de Santa Tecla bieten Überblick über den Hafen und das Meer. Die Baluard de Sant Bernat und Baluard de Sant Jordi gewähren besten Blick in Richtung Platja d’en Bossa und Salinen.

Auf dem westlichen Abschnitt der Mauer sind Informationstafeln angebracht, die mehr über die Mauern und ihre Verteidigung berichten.

Die tiefer liegenden Bastionen können nicht ganz so sehr mit dem Ausblick punkten. Dafür sind aber auf der Baluard de Sant Jaume Kanonen aufgestellt, sodass man ein Gefühl bekommt, wie es hier früher zuging. Die noch tiefer liegende Baluard de Sant Piere wird für Ausstellungen genutzt. Die Baluard de Sant Joan schließlich beherbergt Teile des Kunstmuseums.

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Bereit zur Verteidigung

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Teilstück des Wegs vom Plaça d’Espanya zur Kathedrale außerhalb der Mauern

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Mauerwerk der Stadtbefestigung

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Die feindliche Kanone (rosa) trifft Stadtmauer nicht ohne selbst in der Schussweite zu stehen