Ibiza zur Zeit des Erzherzogs Ludwig Salvator

Der Erzherzog von Österreich Ludwig Salvator wurde vor allem für seine landeskundlichen Studien bekannt. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er den Balearen. Im Jahr 1867 bereiste er erstmalig Mallorca. Er verfasste das siebenteilige Werk „Die Balearen in Wort und Bild“. Der erste 1869 erschienene Band widmete sich Ibiza. Das Werk ist eine großartige Quelle, um einen Eindruck von der Insel und dem Leben auf der Insel zu dieser Zeit zu bekommen.

Salvator traf auf eine von 24.466 Menschen bewohnte Insel. Heute leben auf der Insel fünfmal soviel Menschen. Die Bevölkerung arbeitete zum stark überwiegenden Teil in der Landwirtschaft, nur 916 Männer und 394 Frauen waren des Schreibens und Lesens mächtig. Zur dieser Zeit gab es neben Ibiza-Stadt nur die als winzig beschriebenen Ortschaften Sant Antoni de Portmany (San Antonio Abad) und Santa Eulària des Riu (Santa Eulalia del Río) sowie das noch kleinere Santa Gertrudis de Fruitera.

Die tiefgläubige katholische Bevölkerung legte größten Wert auf Kirchbesuche. So berichtete Salvator: „Ein Bauer würde nahezu in Verzweiflung sein, wenn er am Sonntag keine Messe hörte…“. Neben dem katholischen Glauben beobachtete Salvator aber auch den in der Bevölkerung weit verbreiteten Aberglauben, demzufolge bestimmte Tiere als Glücks- oder Unheilsbringer angesehen wurden.

Das Volk beschrieb er als arbeitsam. Es führte ein ruhiges, friedliches und einsames Leben. Jedoch berichtet Salvator auch, dass Musik eine große Rolle spielte. So trafen sich abends die Landbewohner im Hause mit Nachbarn. Zu Musik, erzeugt mit Tambor, das ist eine Art Trommel, Flöte und Kastagnette wurde getanzt und gesungen.

Das Wegenetz der Insel war zu dieser Zeit nur wenig ausgebaut. Nur zwei Wege konnten als Fahrstraße bezeichnet werden. Für das Reiten und das Befördern von Lasten wurden Maultiere und Esel eingesetzt. Gasthäuser oder Hotels gab es außerhalb von Ibiza-Stadt nicht. In der Nähe der Kirchen war jeweils einen kleiner Laden zu finden.

Einmal pro Woche brachte ein Postdampfer die Post auf die Insel. Eine Telegrafenleitung nach Mallorca gab es allerdings bereits seit 1860. Sehr wichtige Einnahmequellen auf der Insel waren die Salinen, die sich im Staatsbesitz befanden. Die Bauern mit Maultieren mussten hier zur Zeit der Salzernte Pflichtdienste leisten. Auch wenn der Staat Salinenwächter zur Bewachung der sehr lukrativen Einrichtung einsetzte, berichtete Salvator, dass vorbeikommende Bauern sich mit Salz versorgten.